Apotheken sind unverzichtbar
Vor-Ort-Versorgungsstrukturen müssen erhalten bleiben
Stuttgart – Angesichts der zunehmend prekären wirtschaftlichen Situation vieler Apotheken warnt der Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV) vor den Folgen weiterer Apothekenschließungen für die wohnortnahe Gesundheitsversorgung. Die Apotheken vor Ort übernehmen zahlreiche Gemeinwohlaufgaben, die weit über die reine Abgabe von Arzneimitteln hinausgehen, erläutert der Verband im Vorfeld des Weltgesundheitstages am 7. April 2026. Wenn immer mehr Apotheken verschwinden, geraten wichtige Versorgungsleistungen für Patientinnen und Patienten in Baden-Württemberg in Gefahr.
Dazu gehören beispielsweise neben dem verpflichtenden Nacht- und Notdienst individuell hergestellte Rezepturen, die unter anderem für Säuglinge oder Kinder angefertigt werden müssen. Auch Patientinnen und Patienten mit speziellen Hauterkrankungen oder Dosierungsanforderungen können auf individuell hergestellte Arznei nicht verzichten.
Der Botendienst der Vor-Ort-Apotheken stellt für viele Menschen – etwa für mobilitätseingeschränkte, chronisch kranke oder pflegebedürftige Patientinnen und Patienten – eine zentrale und rasche Unterstützung im Alltag dar. Gleiches gilt für die Versorgung von Menschen in Alten- und Pflegeheimen, die durch speziell beauftragte Apotheken geleistet wird, sodass auch Senior:innen oder pflegebedürftige Menschen in ihren Einrichtungen fachgerecht versorgt werden.
Darüber hinaus leisten Apotheken mit pharmazeutischen Dienstleistungen einen wichtigen
Beitrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit. Angebote wie die erweiterte Medikationsberatungen, Blutdruckmessungen oder Schulungen zur richtigen Anwendung von Inhalationsgeräten helfen, Therapien sicherer und wirksamer zu machen. In vielen Regionen übernehmen Apotheken außerdem eine wichtige Rolle als Substitutionsapotheken und gewährleisten damit die Versorgung von Patientinnen und Patienten in der Drogen-Ersatztherapie. Eine Aufgabe, die tatsächlich flächendeckend von großer Bedeutung ist. Ebenso ist das ergänzende Impfangebot in vielen Apotheken wichtig für Menschen, die vielleicht gar keinen Hausarzt haben.
„Apotheken sind ein unverzichtbarer Teil der gesundheitlichen Daseinsvorsorge“, betont Friederike Habighorst-Klemm, Patientenbeauftragte des LAV Baden-Württemberg und schließt
sich damit der Sichtweise von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken an. Wenn Apotheken schließen müssten, verlören Menschen nicht nur eine Ausgabestelle für Medikamente, sondern eine niedrigschwellige und wohnortnahe Anlaufstelle für pharmazeutische Versorgung und eine erste Gesundheitsberatung. „Gerade für Kinder, ältere Menschen oder chronisch Kranke sind individuell hergestellte Rezepturen, persönliche Beratung oder der Botendienst oft entscheidend für eine sichere Therapie. Diese Leistungen stehen auf dem Spiel, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Apotheken weiter unter Druck bleiben.“
Der LAV Baden-Württemberg fordert daher rasch politische Maßnahmen, um die wirtschaftliche Stabilität der Apotheken zu sichern und die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung langfristig zu gewährleisten. Ohne eine nachhaltige Stärkung der Apotheken unter anderem auch durch eine zugesagte Honoraranpassung droht ein nicht umzukehrender Verlust wichtiger Versorgungsangebote und Gemeinwohlaufgaben im Gesundheitssystem.