LAV-Präsidentin, Tatjana Zambo, lächelt in die Kamera
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LAV-Beiratssitzung: Zwischen Aufbruch und Hängepartie

Politisch entscheidende Wochen für die Apothekenschaft
Erschienen am 1. Juli 2026 | Letzte Änderung 1. Juli 2026

Die aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen standen im Mittelpunkt der Beiratssitzung des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg am 21. Mai in Stuttgart. Kurz vor der abschließenden Beratung des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) im Bundestag zog LAV-Präsidentin Tatjana Zambo eine erste Zwischenbilanz – mit vorsichtigem Optimismus, aber auch mit sehr klar formulierten Erwartungen an die Politik.

Das ApoVWG wurde fast unmittelbar nach der Beiratssitzung am 22. Mai im Deutschen Bundestag verabschiedet. Das BMG rechnet nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens nun mit einem Inkrafttreten im Sommer.

„Nach vielen Monaten intensiver Gespräche sehen wir endlich Bewegung. Dass die Politik die Apotheken jetzt sichtbar stärken will, ist auch Ergebnis unseres beharrlichen Einsatzes der Apothekerschaft“, sagte Zambo vor dem Beirat. „Dafür danke ich allen, die sich in zahllosen politischen Gesprächen, Aktionen und Diskussionen unter dem Dach der Aktion „Wir müssen Reden“ eingebracht haben.“ Die jetzt getroffenen Regelungen könnten aber nur ein Anfang sein – denn „nun müsse zügig folgen, was essentiell noch fehlt“, sagte die LAV-Chefin: „Die versprochene Erhöhung unseres Fixhonorars! Wir werden hier seit Monaten in einer Hängepartie vertröstet!“

Neue Aufgaben für die Apotheken

Mit dem Gesetz sollen Apotheken wirtschaftlich unterstützt und zugleich stärker in die niedrigschwellige Gesundheitsversorgung eingebunden werden. Vorgesehen sind unter anderem zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen, die zum Teil durch Ärzte verordnet werden sollen, deutlich erweiterte Impfangebote sowie neue präventive Leistungen wie Blutentnahmen oder Testungen zu diagnostischen Zwecken.

Assistierte Telemedizin: Noch viele Fragezeichen

Ebenso brandaktuell war die Schiedsstellenentscheidung, die die Honorierung für assistierte Telemedizin durch Apotheken regeln soll. Für eine durch die Apotheken unterstützte Zusammenführung eines Patienten mit einer telemedizinischen Sprechstunde sollen Apotheken während einer Anlaufphase 30 Euro erhalten. Alle folgenden Details zur Durchführung sind allerdings noch unklar und müssen erst in den kommenden Wochen geklärt werden.

Zambo warb jedoch dafür, all diese Entwicklung aktiv mitzugestalten: „Nehmen Sie diese neuen Aufgaben mit Ihren Teams an. Ich sehe darin eine Investition in die Zukunft unserer Apotheken, wenngleich es auch herausfordernd ist – angesichts der Personalsituation vieler Apotheken und auch, weil die Ärzte gegen diese Planungen Stimmung machen werden.“

Differenziert betrachtete die LAV-Präsidentin in ihrem Bericht insbesondere die vorgesehene stärkere Einbindung von PTA in bestimmten Versorgungsbereichen. Hier dürfe die bewährte Apothekenstruktur nicht verwässert werden, warnte Zambo. Auch bei den Regelungen rund um den Versandhandel mit Arzneimitteln sieht der Verband weiterhin erheblichen Handlungsbedarf.

„Es sieht so aus, als ob das BMG bei der verpflichtenden Temperaturkontrolle vor den ausländischen Versandhändlern eingeknickt ist. Das ist schlecht, hier hätten wir uns mehr Rückgrat gewünscht. Denn gerade seit Einführung des E-Rezepts sorgen unzulässige Bonusmodelle für anhaltende Wettbewerbsverzerrungen zu unseren Lasten! Die verbindliche Temperaturkontrolle hätte hier für etwas mehr Gerechtigkeit sorgen können.“ Der Verband fordert die Politik darum mit Nachdruck dazu auf, das Thema des Rechtsbruchs durch unzulässige Rabatte des Versandhandels aufzugreifen und als Gesetzgeber nachhaltig zu regeln.

Honorar: Fortschritt mit Einschränkungen

Ein weiteres zentrales Thema war selbstredend die angekündigte Honorarentwicklung. In den Tagen rund um die Beiratssitzung wurde berichtet, dass Pläne vorsehen, das Apothekenfixum in zwei Schritten von derzeit 8,35 Euro zunächst zum 1. Juli 2026 anzuheben und in einem zweiten Schritt Anfang 2027 auf 9,50 Euro zu erhöhen. Parallel soll jedoch der Apothekenabschlag zum Jahresbeginn 2027 für unbefristete Zeit auf 2,07 Euro steigen – ein Punkt, den der LAV weiterhin äußerst kritisch sieht.

„Die gute Nachricht ist: Es kommt mehr Geld in die Apotheken. Aber es bleibt Wasser im Wein“, sagte Zambo. „Dass gleichzeitig über einen höheren Abschlag wieder Mittel entzogen werden sollen, bleibt ein problematisches Signal.“ Entscheidend sei dennoch, den politischen Fortschritt sichtbar anzuerkennen: „Im Vordergrund steht: Nach vielen Jahren des Stillstands bewegt sich endlich etwas.“

Anmerkung: Die Entscheidung über die Erhöhung des apothekerlichen Fixums fiel erst wenige Tage nach der Sitzung.

Verband wirtschaftlich stabil aufgestellt

Neben den gesundheitspolitischen Aspekten stand auch die wirtschaftliche Entwicklung des Verbandes sowie die Haushaltsplanung auf der Tagesordnung. Geschäftsführer Frank Dambacher berichtete über einen soliden Haushaltsabschluss 2025 sowie die Budgetplanung für 2026/27, die beide vom Beirat zur Vorlage an die Mitgliederversammlung verabschiedet wurden.

Trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen, berichtete Dambacher, sei man zufrieden, dass insbesondere auch die Tochtergesellschaften LAV-SOFO-MARKT und LAV Service GmbH mit der LAV-Akademie das Geschäftsjahr positiv abschließen konnten. “Apotheken waren aus verständlichen Gründen auch im Jahr 2025 sehr zurückhaltend beim Ordern von Marketing-Artikeln als auch bei Fortbildungen.“

Rückgang bei den Apotheken hält an

Besorgniserregend bleiben die Zahlen zur Apothekenstruktur im Land. Wie der stellvertretende Geschäftsführer Frank Eickmann berichtete, ist die Zahl der Betriebsstätten in Baden-Württemberg innerhalb von zehn Jahren um 17,9 Prozent gesunken, auf zuletzt 2.090 Apotheken zum Jahresende 2025. Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang bei den Hauptapotheken, während die Zahl der Filialapotheken leicht zugenommen hat. Inzwischen sei nahezu jede dritte Apotheke in Baden-Württemberg eine Filiale.

Erfreulich bleibt die Entwicklung innerhalb des Verbandes: Der Organisationsgrad des LAV stieg in den vergangenen Jahren von 92,1 auf 95,6 Prozent.