Assistierte Telemedizin: Wie gelingt der Einstieg in der Apotheke?
Interview mit LAV-Präsidentin Tatjana Zambo zu aTM
Seit dem 1. Juli 2026 können Apotheken ihren Patientinnen und Patienten assistierte Telemedizin (aTM) anbieten und sie unter anderem dabei unterstützen, eine ärztliche Videosprechstunde in der Apotheke zu nutzen. Seit Anfang September steht außerdem eine Anwendung im GEDISA-ApothekenPortal zur Verfügung, die Apotheken bei der Umsetzung der aTM unterstützt. Doch was muss ich konkret tun, um aTM tatsächlich in meinen Apothekenalltag zu integrieren? LAV-Präsidentin Tatjana Zambo hat die Verhandlungen zur Ausgestaltung der assistierten Telemedizin für den Deutschen Apothekerverband (DAV) geführt – und die neue Leistung inzwischen auch in der eigenen Apotheke umgesetzt. Wir haben sie nach ihren Erfahrungen gefragt.
Frau Zambo, Sie haben die Verhandlungen zur assistierten Telemedizin für den DAV mit den Krankenkassen geführt. Entspricht das, was heute in den Apotheken angekommen ist, dem Angebot, das Sie damals vor Augen hatten – oder gibt es Punkte, bei denen Sie sagen: Da sind wir noch nicht ganz am Ziel?
Im Großen und Ganzen ist das Angebot aus meiner Sicht rund und lässt sich in der Apotheke schnell und unkompliziert umsetzen. Natürlich werden sich einzelne Abläufe mit zunehmender Erfahrung noch einspielen und weiterentwickeln. Eine konkrete Änderung steht beispielsweise zum 1. Januar 2027 an: Dann muss die Dokumentation elektronisch signiert werden. Darauf müssen wir die entsprechenden Abläufe in der Apotheke noch einstellen.
Sie kennen die aTM aber nicht nur vom Verhandlungstisch, sondern sind auch in Ihrer eigenen Apotheke aktiv geworden und bieten Ihren Kundinnen und Kunden aTM bereits an. Wie groß ist die Nachfrage?
Die Nachfrage ist durchaus da, bislang allerdings noch verhalten. Das ist bei einem neuen Angebot sicherlich nicht ungewöhnlich. Ich sehe einen besonderen Nutzen für Menschen, die weniger technikaffin sind, nicht über ein geeignetes Endgerät für eine Videosprechstunde verfügen oder Unterstützung bei der Nutzung benötigen. Hier können wir in der Apotheke ganz praktisch helfen und den Zugang zu einer ärztlichen Videosprechstunde überhaupt erst ermöglichen.
Eine Herausforderung besteht derzeit allerdings noch darin, dass nicht zu jeder gewünschten Zeit eine Ärztin oder ein Arzt für eine kurzfristige Videosprechstunde zur Verfügung steht. Gerade wenn Patientinnen und Patienten spontan in die Apotheke kommen, brauchen wir ausreichend Ärztinnen und Ärzte beziehungsweise Telemedizinanbieter, die auch kurzfristig Termine anbieten können.
Wie sind Sie dabei vorgegangen, aTM bei sich in der Apotheke einzuführen – was ging einfach und wo gab es vielleicht auch Stolpersteine?
Wir sind bewusst langsam gestartet und haben uns Zeit genommen, die unterschiedlichen Angebote der Telemedizin-Anbieter zu prüfen.
„Für uns war wichtig, dass wir auf mehrere Plattformen zugreifen können, über die wir unseren Kund:innen den Arztkontakt anbieten können. Das halte ich für wichtig, damit die freie Arztwahl für die Patient:innen auch in der assistierten Telemedizin erhalten bleibt.“
Tatjana Zambo, Präsidentin des LAV BW
Nach dieser Entscheidung haben wir uns zunächst intern mit der Technik und den neuen Abläufen vertraut gemacht. Für uns in den Apotheken ist die Situation schließlich ungewohnt und ganz neu: Wir bereiten für eine Patientin oder einen Patienten beispielsweise einen Laptop vor, starten den Prozess und verlassen für die eigentliche ärztliche Videosprechstunde den Raum. (…)
Fassen wir das für eine Apotheke, die jetzt einsteigen möchte, noch einmal zusammen: Was sind die ersten Schritte?
Erstens: Ich brauche einen aTM-Anbieter, der zu meiner Apotheke passt. Dafür sollten Inhaberinnen und Inhaber die eingehenden Angebote genau prüfen. Dazu kommt das geeignete Endgerät – beispielsweise einen Laptop oder ein Tablet. Diese Geräte kommen manchmal schon vom aTM-Anbieter als Komplettpaket oder in der Apotheke wird das separat angeschafft. Beide Wege sind möglich. Das Gerät muss entsprechend vorbereitet und sicher vom übrigen Apothekennetz getrennt sein, etwa über eine eigene Verbindung oder ein separates Netzwerk. Außerdem muss verhindert werden, dass Patientinnen und Patienten während der Nutzung andere Anwendungen öffnen können, USB-Ports dürfen nicht nutzbar sein auf diesen Geräten. Dann brauche ich einen Raum, in dem die Videosprechstunde vertraulich stattfinden kann.
Operativ mache ich mich dann mit den konkreten Abläufen vertraut, übe die nötigen Prozesse auch mit den Beteiligten im Team. Wichtig ist aus meiner Sicht, nicht zu kompliziert an die Sache heranzugehen, sondern einfach anzufangen und zunächst Erfahrungen zu sammeln.
Ein weiterer Tipp ist: Wer aTM auf Sicht anbieten will, sollte jetzt starten und sich entsprechend ausrüsten. Denn gerade im ersten Jahr ist die Honorierung so ausgestaltet, dass sich die notwendigen Anschaffungskosten noch gut amortisieren können. Bis zum 30. Juni 2027 werden 30 Euro pro aTM-Leistung vergütet. Danach sinkt die Pauschale: Ab Juli 2027 beträgt sie 25,50 Euro und ab Juli 2028 noch 23 Euro. Ein früher Einstieg lohnt sich also auch wirtschaftlich.
Welche Hürden können im Alltag auftreten – und wie lassen sich solche Probleme lösen?
Die derzeit größte praktische Hürde ist aus meiner Sicht die Verfügbarkeit von Videosprechstunden. Wenn eine Patientin oder ein Patient jetzt aktuell eine ärztliche Konsultation benötigt, hilft ein Termin am nächsten Tag nur bedingt. Mit etwas Vorlauf lässt sich natürlich vieles organisieren. Für spontane Fälle brauchen wir aber eine möglichst breite Auswahl an verfügbaren Ärztinnen und Ärzten und Telemedizinanbietern. Je größer dieses Angebot wird, desto besser wird aTM auch im spontanen Apothekenalltag funktionieren. (…)
Seit September 2026 steht die aTM auch über das GEDISA-ApothekenPortal zur Verfügung. Wie kann diese Lösung den Einstieg erleichtern?
Die GEDISA-Lösung bündelt wesentliche Schritte der aTM an einer Stelle. Über den ersten Partner arztkonsultation.de besteht Zugang zu einem bundesweiten Netzwerk niedergelassener Ärztinnen und Ärzte. Darüber können Termine vermittelt und Videosprechstunden durchgeführt werden. Ein weiterer Partner, die man sich wie ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) vorstellen kann, ist mit DocMondo nun an Bord. Perspektivisch ist das das A und O: Es müssen möglichst viele Ärztinnen und Ärzte in die aTM eingebunden werden. Denn für die Apotheke ist entscheidend, dass sie unkompliziert eine verfügbare Videosprechstunde finden kann, wenn eine Patientin oder ein Patient diese benötigt. Und auch bei der Dokumentation und Abrechnung der Leistung wird die Apotheke bei der GEDISA-Lösung unterstützt. (…)
Das ganze Interview rund um die assistierte Telemedizin in der Apotheke können Sie in der Ausgabe 5_2025 der LAV-Nachrichten nachlesen.
Die wichtigsten Informationen rund um die assistierte Telemedizin finden Sie in unserem Themenspecial im Mitgliederbereich!