Apotheken schaffen neuen Zugang zur ärztlichen Versorgung
Assistierte Telemedizin startet im Juli – Apotheken bereiten sich auf neue Versorgungsaufgabe vor
Stuttgart, den 10. Juni 2026 – Ab Juli 2026 dürfen Apotheken bundesweit eine neue Leistung anbieten: Die assistierte Telemedizin. Dabei begleiten Apotheken Patientinnen und Patienten bei der Nutzung einer ärztlichen Videosprechstunde. Sie stellen die notwendige Technik bereit und unterstützen bei der Organisation und Durchführung. Derzeit schaffen die Apotheken die technischen und organisatorischen Voraussetzungen, um Patientinnen und Patienten künftig bei der Nutzung dieses Angebots zu unterstützen. Die Kosten für die assistierte Telemedizin übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Privatpatienten zahlen zunächst selbst und können dann, je nach Versicherungstarif, gegenüber ihrem Versicherungsunternehmen abrechnen.
Mit der neuen Dienstleistung übernehmen Apotheken eine wichtige Brückenfunktion zwischen Patientinnen und Patienten und der digitalen Gesundheitsversorgung. Ziel ist es, Menschen den Zugang zu ärztlicher Beratung zu erleichtern – insbesondere dort, wo technische Hürden, eingeschränkte Mobilität oder lange Wege den Zugang erschweren. „Die Digitalisierung kann die Gesundheitsversorgung verbessern. Ihr Nutzen entfaltet sich aber nur dann, wenn alle Menschen daran teilhaben können. Mit der assistierten Telemedizin sorgen die Apotheken dafür, dass moderne medizinische Angebote auch diejenigen erreichen, die Unterstützung benötigen“, sagt Tatjana Zambo, Präsidentin des Landesapothekerverbands und selbst Apothekerin.
Besonders hilfreich für ältere und digital weniger erfahrene Menschen
Das Angebot richtet sich grundsätzlich an gesetzlich und privat versicherte Personen, die
Unterstützung bei der Nutzung telemedizinischer Leistungen benötigen. In der Regel erfolgt
zunächst eine strukturierte medizinische Ersteinschätzung. Dabei wird mithilfe eines
standardisierten Verfahrens geprüft, wie dringlich die Beschwerden sind und ob eine Videosprechstunde für den jeweiligen Fall geeignet ist. Die medizinische Beratung erfolgt weiterhin ausschließlich durch die Ärztin oder den Arzt. Die Apotheke unterstützt bei den organisatorischen und technischen Abläufen und stellt einen geschützten Rahmen für die telemedizinische Versorgung bereit.
Von der assistierten Telemedizin können besonders profitieren:
- ältere Menschen,
- Personen ohne Smartphone, Tablet oder Computer,
- Menschen mit wenig Erfahrung im Umgang mit digitalen Anwendungen,
- Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Mobilität,
- Menschen, die kurzfristig ärztlichen Rat benötigen.
„Viele Menschen wünschen sich die Vorteile digitaler Angebote, fühlen sich mit der Technik aber allein gelassen. Andere verfügen gar nicht über die notwendigen Geräte oder benötigte Leitungskapazitäten. Die Apotheke vor Ort kann hier unkompliziert helfen und den Zugang zur ärztlichen Versorgung erleichtern“, erklärt Zambo.
Versorgung dort stärken, wo sie gebraucht wird
Die assistierte Telemedizin verbindet somit die persönliche Betreuung in der Apotheke mit den Möglichkeiten moderner ärztlicher Versorgung. Gerade in Regionen mit knapper werdenden Arztressourcen kann sie dazu beitragen, Versorgungslücken zu überbrücken und Patientinnen und Patienten schneller an eine ärztliche Einschätzung heranzuführen.
„Wir erleben vielerorts, dass es schwieriger wird, zeitnah einen Arzttermin zu erhalten.
Gleichzeitig steigen die Erwartungen an digitale Angebote im Gesundheitswesen.
Die assistierte Telemedizin verbindet beides: die persönliche Begleitung durch die Apotheke und die medizinische Expertise der Ärztinnen und Ärzte. Davon profitieren vor allem die Patientinnen und Patienten“, betont Zambo.
Apotheken als Gesundheitslotsen
Mit der neuen Leistung bauen Apotheken ihre Rolle als wohnortnahe Gesundheitsdienstleister weiter aus. Sie helfen Patientinnen und Patienten dabei, sich im zunehmend digitalen
Gesundheitswesen zurechtzufinden, und schaffen einen niedrigschwelligen Zugang zu
medizinischer Beratung. „Apotheken gehören zu den am besten erreichbaren Einrichtungen unseres Gesundheitswesens. Die Menschen vertrauen uns, weil wir unmittelbar vor Ort sind und schnell und kompetent helfen können. Mit der assistierten Telemedizin übernehmen wir eine weitere wichtige Lotsenfunktion und machen digitale Gesundheitsversorgung für alle nutzbar“, sagt Zambo.
Die Vorbereitungen in den Apotheken laufen bereits, damit Patientinnen und Patienten das neue Angebot schnellstmöglich nutzen können.