KI: Warum die Apotheke neu gedacht werden muss
Interview mit Prof. Dr. Jochen Werner, Arzt und Unternehmer
Künstliche Intelligenz, digitale Prozesse und neue Versorgungsmodelle prägen derzeit die gesundheitspolitische Debatte. Doch während sich Innovation häufig auf Klinik und Arztpraxis konzentriert, rücken Apotheken nicht immer gleich ins Blickfeld. Darum ist es umso überraschender, dass ausgerechnet ein Arzt die Apotheken als unterschätzten Player in der Digitalisierungsentwicklung sieht.
Herr Professor Werner, wenn wir über die Zukunft der Medizin und der Gesundheitsversorgung an sich sprechen, denken viele Menschen zuerst an KI-gestützte Diagnostik oder Roboter im OP. Wo verorten Sie die Vor-Ort Apotheke in diesem Zukunftsbild und welche Digitalisierungsaspekte halten Sie für Apotheken für besonders wichtig?
Die Apotheke vor Ort ist definitiv kein Randakteur der Digitalisierung, sondern ein Schlüsselort vertrauensbasierter Gesundheitsversorgung. Während KI-gestützte Diagnostik und Robotik häufig mit Klinik und Hochleistungsmedizin assoziiert werden, ist die Apotheke der niedrigschwellige und kontinuierlich erreichbare Kontaktpunkt im System. Hier treffen Versorgung, Beratung, Arzneimittelsicherheit und Prävention unmittelbar aufeinander.
Gerade in einer KI-unterstützten Medizin wird die Apotheke zur wichtigen Übersetzerin zwischen Technologie und Mensch. Digitale Medikationspläne, E-Rezepte, automatisierte Interaktionschecks und personalisierte Therapiebegleitung sind nur einige der Felder, in denen Apotheken künftig eine zentrale Rolle übernehmen können. Besonders wichtig erscheint mir die strukturierte Einbindung der Apotheken in digitale Medikationsmanagement Systeme sowie in regionale Versorgungsplattformen. Die Zukunft der Apotheke liegt nicht im reinen Dispensieren von Arzneimitteln, sondern im aktiven Mitgestalten einer vernetzten, datengestützten und zugleich menschlich nahen Gesundheitsversorgung.
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Welche Rolle kann KI im Zusammen spiel zwischen Arztpraxis und Apotheke spielen? Hier gibt es ja allein durch das Verordnungsgeschehen kontinuierlich Kontakt.
Das ist ein wichtiger Aspekt, in dem enormes Potenzial liegt. KI kann Verordnungen automatisiert auf Interaktionen prüfen, Therapiealternativen vorschlagen, Lieferengpässe antizipieren und strukturierte Rückmeldeschleifen zwischen Praxis und Apotheke ermöglichen, um nur einen Teil des Spektrums zu erwähnen. Statt Medienbrüche brauchen wir gemeinsame digitale Plattformen mit klaren Verantwortlichkeiten. KI wird Transparenz schaffen. Den Dialog allerdings sollte KI nicht ersetzen. Sie kann aber das Miteinander objektivieren und Missverständnisse reduzieren. Richtig eingesetzt wird KI damit zu einer Art digitalem Moderator zwischen den Professionen. Am Ende gewinnen alle: Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker, andere Gesundheitsfachberufe, vor allem aber die Patientinnen und Patienten und damit wir alle.
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Wenn Sie die Entwicklung in einem Satz zusammenfassen müssten: Welche Rolle sollten die Apotheken vor Ort künftig spielen?
Die Apotheke vor Ort wird zum vertrauensbasierten Gesundheitsknotenpunkt: digital unterstützt, therapeutisch kompetent und nah am Menschen.
LAV-Mitglieder lesen das komplette Interview in der Ausgabe 02/2026 im Mitgliederbereich.