securPharm Bilanz nach 100 tagen

Webcode: V26732Erschienen am:

Herr Dr. Bauer, der 9. Februar dieses Jahres war mit Spannung – und bestimmt von der Apothekerschaft auch mit Ängsten – erwartet worden, weil ein komplett neues System für die Apotheken gestartet wurde. Was waren die größten Anfangsschwierigkeiten von securPharm? Wo lief es von Anfang an reibungslos?

Hervorragend hat die Anbindung der öffentlichen Apotheken an securPharm funktioniert. In engem Zusammenspiel der ABDA und der Landesorganisationen mit der NGDA und den Apothekensoftwarehäusern ist es gelungen, allen Interessenten den fristgerechten Zugang zu ermöglichen. Das war eine organisatorische Herausforderung, musste doch vor dem ersten Zugriff die Identität der jeweiligen Apotheke unzweifelhaft geklärt werden. Erst dann durfte ein entsprechendes Zertifikat erstellt und dem Apotheker zur Verfügung gestellt werden, um es dann in die Software zu implementieren. Die gute Vorbereitung und das abgestimmte Handeln aller Beteiligten haben sich hier bewährt.

Das securPharm-System funktioniert, insbesondere der Apothekenserver läuft wie geplant ruhig und hochverfügbar, die Reaktionszeiten des Gesamtsystems für Überprüfungen und Ausbuchungen liegen deutlich unter der gesetzlichen Höchstgrenze von 300 Millisekunden.

Man muss aber ehrlicherweise sagen, dass die Herausforderungen bei der Einführung von allen Beteiligten anfangs unterschätzt worden sind. Das Grundprinzip klingt ja auch so einfach: Auf jede Packung bringt der pharmazeutische Unternehmer einige Daten, auch mittels Data Matrix Code, auf und lädt diese in eine Datenbank hoch. Und die Apotheke scannt den Code und greift auf die Datenbank zu, um zu überprüfen, ob der Unternehmer diese Packung in Verkehr gebracht hat, und sie bislang nicht ausgebucht worden ist.

Nur: Das System ist konsequent, und damit eben nicht fehlertolerant. Wenn der pharmazeutische Unternehmer es versäumt, die Daten hochzuladen, kann die Packung nicht erfolgreich verifiziert werden. Wenn ein Fehler in der Apothekensoftware oder der Software des Scanners dazu führt, dass die Daten des Codes falsch ausgelesen werden, kann die Packung ebenfalls nicht erfolgreich verifiziert werden. Die Liste ließe sich verlängern. Es gibt einfach verdammt viele Fehlermöglichkeiten. Und allen gemein ist: Wo immer der Fehler gemacht worden ist, er führt beim Scan in der Apotheke dazu, dass die Packung erst einmal als nicht abgabefähig ausgewiesen wird.

Alle Beteiligten, insbesondere ACS als Betreiber der Datenbank der pharmazeutischen Industrie und NGDA als Betreiber des Apothekenservers, aber auch die secuPharm-Mitgliedsverbände analysieren intensiv die Rückmeldungen. Es gilt, möglichst schnell Fehlerursachen zu erkennen und dann entweder selbst abzustellen, oder aber die beteiligten Marktpartner zu informieren und auf eine Korrektur zu drängen. Die Abschichtung, sich zuerst auf die bedeutendsten Fehlerursachen zu konzentrieren, und sich danach zu selteneren vorzuarbeiten, ist richtig und konsequent. Sie hat aber naturgemäß zur Folge, dass wir uns inzwischen in einer Phase befinden, in der eine Vielzahl seltener anzutreffender Fehler dominiert, so dass raumgreifende Erfolge seltener werden.

Die Arbeit ist mühsam, man lernt mit der Zeit erst kennen, wieviele Fehlermöglichkeiten es gibt. Aber sie ist notwendig, denn auf Dauer können wir uns alle diese Probleme nicht mehr leisten. Für den Beginn hingegen hat man uns vonseiten der Aufsicht eine Art Übergangsphase zugebilligt. Hier darf mit nicht erfolgreichen Verifikationen pragmatisch umgegangen werden, wenn es keine sonstigen Hinweise auf eine Arzneimittelfälschung gibt und es sich bei der Packung um Bestandsware handelt.

Unklarheiten gibt es manchmal auch noch mit dem so genannten Ticketsystem – läuft da mittlerweile alles glatt? Und was passiert mit einer „roten Packung“, die aber kein Ticket ausgelöst hat?

Sie sprechen damit die größte Herausforderung an. Das securPharm-spezifische System der getrennten Datenbanken erfordert für die Fälle, in denen eine genaue Analyse der einer einzelnen Packung zugeordneten Daten erforderlich ist, ein weiteres System. Dieses ist komplexer, als es auf den ersten Blick wirken mag. Auch der technische Dienstleister hat erkennbar die Herausforderungen deutlich unterschätzt. Und außerdem ist in der Startphase die Zahl der Alarme, genauer: der Fehlalarme, höher, als sie es im späteren Betrieb sein darf und sein wird. Es wäre völlig unwirtschaftlich gewesen, das Drittsystem auf die Zahl der Fehlalarme in den ersten Monaten hin zu dimensionieren. Jetzt müssen wir gemeinsam, wie schon dargestellt, die Zahl der Fehlalarme abbauen. Wenn wir hier hinreichend erfolgreich sind, können wir das dritte System, das Konflikt-Managende-System freischalten. Wir bereiten hierzu alles vor, und werden die Apotheken auch mit ausreichend Vorlauf informieren.

In der Zwischenzeit gilt es, die mit dem Bundesgesundheitsministerium und den Aufsichtsbehörden abgestimmte Vorgehensweise sehr verantwortungsvoll zu nutzen: Bei nicht erfolgreichen Verifikationen klassifiziert das securPharm-System, ob der Auslöser mit großer Wahrscheinlichkeit eine Bestandswarenpackung ist. Es gibt hierfür typische Konstellationen! Ist das der Fall, erhält die Apotheke eine Rückmeldung, zu kontrollieren, ob sich die nicht erfolgreiche Verifikation damit erklären lässt, dass es sich um Bestandsware handelt. In diesem Fall darf die Apotheke sie, wenn eine Überprüfung keine sonstigen Hinweise auf eine Fälschung ergibt, abgeben.

Man muss sich jedoch bewusst sein, dass diese Regelung keine langfristige Lösung sein wird.

 Das komplette Interview mit Dr. Eckart Bauer, Abteilungsleiter Wirtschaft und Soziales der ABDA, lesen Sie online in den aktuellen LAV-Nachrichten 3 | 2019 nach Login in den Mitgliederbereich.