Esslinger Apotheken in Not?

CDU-Abgeordnete informieren sich in Esslinger Bärenapotheke über Auswirkungen des Urteils.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat mit seinem Urteil vom 19. Oktober 2016 die Arzneimittelpreisbindung für ausländische Apotheken gekippt. Damit erlaubt er ausländischen Versandhändlern, von festen Preisen bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, sogenannten RX-Medikamenten, abzuweichen. In Deutschland ansässige Apotheken sind dagegen weiterhin an die Arzneimittelpreisverordnung gebunden und dürfen ihren Kunden keinerlei Preisnachlässe gewähren.

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Die beiden Esslinger CDU-Abgeordneten Andreas Deuschle MdL und Markus Grübel MdB informierten sich in der Esslinger Bärenapotheke über die Auswirkungen des Urteils. Vor Ort trafen sie sich mit den beiden Vorsitzenden des Apothekenverbandes für die Region Esslingen/Göppingen, Daniela Hemminger-Narr und Christof Mühlschlegel, zu einem Gedankenaustausch.

Hemminger-Narr und Mühlschlegel: "Urteil ermöglicht Versandapotheken Rosinenpickerei"
Die Apotheker sehen sich durch das Urteil erheblich benachteiligt. Gerade kleinere und auf dem Land gelegene Apotheken fürchten um ihre Existenz. Ebenfalls steht die Sorge im Raum, die flächendeckende Versorgungsqualität könne verloren gehen. Nach Meinung der beiden Apothekenvertreter ermögliche das Urteil Rosinenpickerei. Ausländische Versandapotheken würden in die Lage versetzt, sich einen Großteil des Arzneimittelumsatzes zu sichern, ohne aber wichtige Leistungen für das Gemeinwohl, wie Not- und Nachtdienste, Rezepturanfertigungen und persönliche Beratung erbringen zu müssen. Die Apothekenvertreter streben daher ein Versandverbot für RX-Medikamente an.

 "Alle wollen helfen, nur die Lösungsansätze unterscheiden sich noch. Klar ist, dass schnell gehandelt werden muss. Das Urteil braucht eine politische Antwort", betont der Esslinger Landtagsabgeordnete. "Das Land Baden-Württemberg sieht in dem Urteil eine konkrete Gefährdung deutscher Apotheken und damit auch der flächendeckenden Arzneimittelversorgung. Wir unterstützen ein mögliches Verbot des RX-Versandhandels", so Deuschle weiter.

Grübel: "Kranke Menschen sollen in ihrer Not nicht auch noch Preise vergleichen müssen"
"RX-Arzneimittel unterliegen bundesweit aus gutem Grund einem einheitlichen Preis. Kranke Menschen sollen in ihrer Not nicht auch noch Preise vergleichen müssen", stellt Grübel heraus. "Wenn das eigene Kind mit hohem Fieber im Bett liegt, will niemand auf den Paketboten mit den benötigten Medikamenten warten. In so einer Situation ist jeder glücklich, dass zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Apotheke in der näheren Umgebung offen hat und man vor Ort wertvolle Tipps und eine kompetente Beratung bekommt. Das kann keine Versandapotheke leisten. Ein Versandhandelsverbot für RX-Medikamente halte ich grundsätzlich für vertretbar", so der Bundestagsabgeordnete. 

Laut Grübel befassen sich aktuell die zuständigen Fachpolitiker mit einem möglichen Verbot. Zu diesem Zeitpunkt sind jedoch noch keine belastbaren Aussagen möglich.