Der Blick über den Tellerrand: Wie digital sind Krankenkassen?

Ein Interview mit Andreas Vogt, Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse über Digitalisierung und die Versorgung von Versicherten
Webcode V210563 | Erschienen am 24. Februar 2020 | Letzte Änderung 24. Februar 2020

Tellerrand Andreas-Vogt Portrait TK
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Erst Ende 2019 hat die Techniker Krankenkasse (TK) in Baden-Württemberg zu einer Fachtagung rund um Künstliche Intelligenz und die Herausforderungen der Digitalisierung eingeladen. Die TK ist in Baden-Württemberg bereits seit Jahren sehr aktiv, um den Bereich der Digitalisierung aktiv zu begleiten und ihren Versicherten durch technische Innovationen eine umfassendere Betreuung zu ermöglichen. Im Interview mit den LAV-Nachrichten erklärt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung in Baden-Württemberg, die Strategie seiner Kasse und beleuchtet Chancen und Risiken der digitalen Entwicklung.

Herr Vogt, zunächst ganz grundlegend die Frage: In welchen digitalen Projekten oder eigenen Angeboten engagiert sich die TK derzeit? Beschreiben Sie bitte kurz die Flaggschiffe.
Das Thema Digitalisierung spielt bei der TK eine große Rolle, denn sie wird unser Gesundheitswesen nachhaltig verändern. Die TK bietet ihren Versicherten schon heute die digitale Gesundheitsakte TK-Safe an, über die die Versicherten einen direkten Zugriff auf ihre medizinischen Informationen haben. In einem Pilotprojekt wird der elektronische Austausch der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erprobt. Bundesweit beteiligen sich über 600 Ärzte, die über ihre Praxissoftware die AU-Bescheinigung direkt an die TK weiterleiten können.

Als erste Kasse hat die TK außerdem ein vollständig digitales Pilotprojekt zur Fernbehandlung von Versicherten per Videotelefonie auf den Weg gebracht. TK-Mitarbeiter können sich vom heimischen Krankenbett aus über eine Video-App ärztlich behandeln lassen. Die Ärzte können die Symptome überprüfen und ihnen aus der Ferne eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen sowie ein Medikament verordnen. Die Krankschreibung wird dabei elektronisch direkt an die TK als Krankenkasse und Arbeitgeber übertragen. Das Rezept für das Arzneimittel können die Teilnehmer mit ihrem Smartphone abrufen und auf Wunsch – vorerst nur in Hamburg – in einer teilnehmenden Apotheke elektronisch einlösen.

Welche Vorteile sehen Sie bei diesen Projekten konkret für Ihre Versicherten und wie nehmen die Versicherten die digitalen Veränderungen an?
Bislang liegen medizinische Daten dezentral bei Ärzten, Krankenhäusern, Therapeuten oder Krankenkassen. Patienten müssen ihre eigenen Daten mühsam bei verschiedenen Ärzten anfragen und zusammentragen. Mit TK-Safe haben Versicherte direkten Zugriff auf ihre eigenen medizinischen Informationen wie zum Beispiel verordnete Medikamente, Impfungen, Diagnosen oder Röntgenbilder, und können diese strukturiert und in Timeline-Optik speichern. Diese stehen ihnen dann überall und jederzeit zur Verfügung. Vor allem aber sind diese Informationen für die ärztliche Behandlung wertvoll um zum Beispiel Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Arzneimitteln auszuschließen. Ganz wichtig: Der Versicherte kann über seine Daten selbst bestimmen, nur er entscheidet, wem er Zugriff gewährt. TK-Safe wird inzwischen von weit über 200.000 TK-Versicherten genutzt. (...)

LAV-Mitglieder lesen sich schlau -

Den kompletten Artikel finden Sie in den LAV-Nachrichten 1|2020.


In welchen Projekten, die eher den Fokus auf der Seite der ambulanten Leistungserbringer haben, ist die TK involviert? Ein Stichwort ist hier sicherlich das eRezept in Baden-Württemberg.
Das eRezept “GERDA“ (Geschützter eRezept-Dienst der Apotheken) ist ein gutes Beispiel dafür, wie gut die Zusammenarbeit aller Beteiligten im Gesundheitswesen hier in Baden-Württemberg funktioniert. Mit finanzieller Unterstützung durch das Sozialministerium Baden-Württemberg und der Unterstützung der Krankenkassen wurde das Projekt von Landesapothekerkammer (LAK) und Landesapothekerverband (LAV) ins Leben gerufen. Die TK hat dabei Know-How in Sachen Digitalisierung eingebracht, welches wir bereits bei einem vergleichbaren Projekt in Hamburg gewinnen konnten. Angebunden ist das eRezept an “docdirekt“, dem Pilotprojekt zur telemedizinischen Behandlung in der Region Stuttgart und dem Landkreis Tuttlingen.

In dem von der Landesärztekammer genehmigten Modellprojekt “#ealth4Students“ ermöglicht es die TK, dass sich Studierende ohne vorherigen Erstkontakt telemedizinisch behandeln lassen können. Über die “Minxli-App“ vereinbaren die Studierenden einen Behandlungstermin, zu dem sich der Arzt dann per Videochat beim Patienten meldet.

Die Projekte und Angebote der TK unterstützen nicht nur die Patienten selbst. Videokurse, online-Coachings und Apps wie z.B. die TK-Migräne-App oder die Tinnitracks-App, einer Neurotherapie für Tinnitus-Patienten, unterstützen ebenso die Ärzte bei ihrer Behandlung und können die ambulanten Leistungserbringer teilweise entlasten. (…)