1001 PI Grippe kfuhlert
1

Grippeschutzimpfungen in Apotheken

Interview mit Ina Hofferberth (LAV) und Dr. Karsten Diers (LAK)
Webcode V211490 | Erschienen am 17. August 2021 | Letzte Änderung 17. August 2021

Was lange währt, wird endlich gut: Auch in Baden-Württemberg sollen ab September Apotheker:innen Grippeschutzimpfungen anbieten können. Das Modellprojekt war schon im letzten Jahr kurz vor dem Start, Verträge waren ausverhandelt, die Mitglieder waren informiert, als die Corona-Pandemie in die Quere kam. Im Interview erklären die Geschäftsführerin des LAV, Ina Hofferberth, und Dr. Karsten Diers als Geschäftsführer der Landesapothekerkammer, wie das Projekt nun weiter umgesetzt wird.

 
Portrait Ina Hofferberth
2

Fr. Hofferberth, Herr Dr. Diers ganz kurz ein Blick zurück – wie weit war das Projekt im letzten Jahr schon und was hat damals den Start verhindert?
Ina Hofferberth: Wir mussten im letzten Jahr wegen Corona quasi eine Vollbremsung hinlegen. Denn wir waren fast fertig mit den nötigen Vorbereitungen für die Umsetzung des Modellprojektes Grippeschutzimpfungen in Apotheken. Der Vertrag war ausgehandelt - einzig die erforderlichen Schulungstermine für die teilnehmenden Apotheken fehlten noch.

Dr. Karsten Diers GF LAK BW
3

Dr. Diers: Die Landesapothekerkammer stand damals mit den Fortbildung schon in den Startlöchern. Die zugehörigen Web-Seminare liefen bereits erfolgreich und die Präsenztermine waren vollständig ausgebucht. Leider mussten diese dann corona-bedingt sehr kurzfristig abgesagt werden, da sich das Infektionsgeschehen damals rapide verschlechtert hat und die verschärfte Corona-Verordnung keine Präsenzveranstaltungen zugelassen hat.

Ina Hofferberth: Genau, an der Stelle kam uns der Lockdown im Spätherbst dazwischen. Bei den Präsenzterminen war ja ein zwingender Bestandteil dieser Schulungen auch ein praktischer Übungsteil für das Setzen der Impfspritze. Und das war zu diesem Zeitpunkt dann aber wegen der Hygiene- und Abstandsregeln nicht mehr möglich.

Dann konnten der LAV und die LAK bereits auf viel Vorarbeit aufbauen, um jetzt in einen Neustart zu gehen. Herr Dr. Diers, welche Fäden musste die Kammer aufgreifen und wie ist der derzeitige Stand?
Dr. Diers: Da die Fortbildungen schon bis ins Detail durchgeplant waren, die Referenten sich schon mit dem Curriculum der BAK vertraut machen konnten und die Veranstaltungsorte fest standen, konnte die Planung direkt darauf aufbauen.
Die ersten Präsenzveranstaltungen wurden bereits erfolgreich durchgeführt und mittlerweile sind schon über 100 Kolleg:innen geschult und sind somit bereit für die kommende Grippesaison.

Frau Hofferberth, welche Aufgaben musste der Verband erledigen, damit es jetzt im September in den Modellregionen mit den Grippeschutzimpfungen in Apotheken losgehen kann?
Ina Hofferberth: Absprachegemäß hat es der LAV übernommen, den erforderlichen Vertrag mit den Krankenkassen – hier mit der AOK Baden-Württemberg – zu verhandeln und abzuschließen. Hierzu gehörte auch die Festlegung der Modellregionen und die Honorierung. Diese Verträge mussten dann noch vom Sozialministerium, vom Robert-Koch-Institut und vom Paul-Ehrlich-Institut genehmigt werden. Außerdem haben wir als LAV den dreiseitigen Vertrag für die erforderlichen Schulungen zwischen dem Landesapothekerverband, der Landesapothekerkammer und der AOK abgeschlossen.

Das Modell startet jetzt in drei LAV-Regionen in Mannheim, im Plochinger Kranz und in Ostwürttemberg – warum nicht gleich in ganz Baden-Württemberg?
Ina Hofferberth: Das war der ausdrückliche Wunsch der AOK, zuerst in ausgewählten und räumlich begrenzten Regionen zu starten. Dabei sollten eine städtische, eine mittelstädtische und eine ländliche Region mit dabei sein. Wir vom LAV hätten liebend gerne das ganze Land zur Modellregion erklärt, um allen Mitgliedern eine Teilnahme zu ermöglichen.

Dr. Diers: Ja, leider hatten wir hier keinen Gestaltungsspielraum. Wir waren und sind als LAK jederzeit bereit, die Schulungen auch für alle anderen Regionen in BW anzubieten.

Ina Hofferberth: Wir werden nun sehen, wie das Modell im Herbst anläuft. Eine Ausweitung während der Laufzeit der Modellphase ist jedoch nach wie vor nicht ausgeschlossen. Ein solcher Plan oder Wunsch der Apothekerschaft müsste aber in jedem Fall dann mit unserem Vertragspartner nochmals gesondert vereinbart werden.

Der Vertrag besteht nun auch ausschließlich mit der AOK im Land. Frau Hofferberth, werden andere Krankenkassen nachziehen?
Ina Hofferberth: Natürlich haben wir auch andere Krankenkassen angefragt, um einfach auch mehr Versicherte in das Modell einbinden zu können. Aber die anderen Krankenkassen haben sich sehr zurückhaltend geäußert. Hinzu kam, dass die AOK in den Vertragsverhandlungen auch den verständlichen Wunsch nach einer anfänglichen Exklusivität geäußert hatte. Und so starten wir jetzt erst einmal mit einer Krankenkasse.

Frau Hofferberth, welche standespolitische Botschaft geht von dem Projekt aus – auch mit Blick auf die angestrebten honorierten Dienstleistungen der Apothekerschaft?
Ina Hofferberth: Andere europäische Länder haben bereits den Beweis erbracht, dass Impfungen in Apotheken durchaus zu den apothekenüblichen Leistungen zählen können. Wir sind also in Deutschland alles andere als Vorreiter in diesem Projekt. Unser erklärtes Ziel ist es, die insbesondere in Baden-Württemberg sehr niedrige Durchimpfungsrate merklich zu erhöhen. Unsere Zielgruppe in den Apotheken sind die Menschen, die entweder keinen Hausarzt haben oder nur wegen einer Impfung nicht zum Hausarzt gehen wollen, weil sie Wartezeiten oder einen extra Weg zum Hausarzt scheuen. Die Apotheken können hier ein sehr niederschwelliges und unkompliziertes Angebot offerieren. Die Menschen können ihre Grippeschutzimpfung im Rahmen von alltäglichen Besorgungen oder auch dann erledigen, wenn sie wegen eines Rezepts oder eines anderen Einkaufs ohnehin in die Apotheke kommen. In den Apotheken entstehen in der Regel keine längeren Wartezeiten bis zu einem Impftermin – und Apotheken haben oftmals auch abends oder samstags geöffnet, was für berufstägige Menschen sicherlich auch ein Vorteil ist. Grundsätzlich sehe ich, dass die Durchführung von Grippeschutzimpfung in den Apotheken auch ein Türöffner für die Zukunft ist. Das Impfangebot ist eine von vielen möglichen pharmazeutischen Dienstleistungen, die künftig von Apotheken erbracht werden sollen. Wir sollten uns hier einbringen und zeigen, dass wir offen und kompetent, neue honorierte Aufgaben wahrnehmen wollen. (…)

LAV-Mitglieder lesen nach Log-In das ganze Interview in der aktuellen Ausgabe der LAV-Nachrichten 4_2021.