Politische Überzeugungsarbeit beginnt vor Ort

Webcode: V26404Erschienen am: Letzte Änderung: 02. Januar 2017

Bundestags-Neuling zu Gast bei LAV-Beirat Joachim Seidel
Schon eine Woche nach der Bundestagswahl hatte Seidel den neu gewählten CDU-Bundestagsabgeordneten Marc Biadacz zu Gast in seiner Apotheke. Biadacz hat das Direktmandat im Wahlkreis Böblingen errungen und tritt dort die Nachfolge des langjährigen Abgeordneten Clemens Binninger an, der nicht mehr kandidierte. Biadacz positionierte sich schon in seinem Statement auf der Seite Wahlradar Gesundheit – der apothekerlichen Intitiative zur Bundestagswahl - eindeutig für die Apotheke vor Ort: “Vor dem Hintergrund des Urteils des EuGH müssen wir wieder für gleiche Rahmenbedingungen für alle Apotheken sorgen, um die bestehende Struktur der flächendeckend, wohnortnahen und gleichmäßigen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln auch weiterhin zu gewährleisten.“ Und weiter: „In einem auf dem Sachleistungsprinzip beruhenden solidarisch finanzierten System der Gesundheitsversorgung sind Boni in Form von Bargeld oder Gutscheinen an Patientinnen und Patienten nicht sachgerecht. Deutschland schließt sich damit den 21 Mitgliedstaaten der Europäischen Union an, die in ihrem nationalen Recht ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Humanarzneimitteln verankert haben. Weiterhin wird die Zustellung von Arzneimitteln durch Apothekenpersonal vom Versandhandel abgegrenzt. Wir werden auch diskutieren müssen, wie wir die Apothekenhonorierung weiterentwickeln, um insbesondere wieder mehr Apotheken in die ländlichen Räume zu bekommen.“

Seidel kennt Biadacz aus seiner Zeit als Gemeinderat: „Solche Kontakte ergeben sich, wenn man sich in seiner Gemeinde sozial oder politisch engagiert. „Daher war es auch einfach, Marc Biadacz zu einem „Vor-Ort-Gespräch“ in die Apotheke einzuladen. Wir haben bei unserem Gespräch das gesamte Spektrum des Apothekenwesens beleuchtet: Von Rabattverträgen bis Lieferengpässe, von Honorarfragen bis zum geforderten Rx-Versandhandelsverbot.“ Auch wenn der neue CDU-Mann im Bundestag nicht im Gesundheitsausschuss sitzen wird, ist es wichtig, dennoch apothekerliche Anliegen zu vermitteln und aufzuzeigen, wo sich die Arzneimittel-Versorgung perspektivisch verschlechtern wird, wenn nicht jetzt Gegenmaßnahmen ergriffen werden. „Und jeder Bundestagsabgeordnete ist am Ende des Tages daran interessiert, die Versorgung für seine Wähler im Wahlkreis so gut wie irgend möglich zu gestalten.“

Poltische Überzeugungsarbeit beginnt vor Ort
LAV-Vizepräsidentin Tatjana Zambo hat die CDU-Landtagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Rastatt, Sylvia Felder, am Rande eines Parteitags kennengelernt und zu einem Informationstreffen in ihre Apotheke in Gaggenau eingeladen. Die Runde wurde komplettiert durch den Weisenbacher Bürgermeister Toni Huber, dem Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion. „Ich möchte wirklich alle Beiräte und generell unsere LAV-Mitglieder dazu ermutigen, auch Landes- oder Lokalpolitiker zu Gesprächen in ihre Apotheken einzuladen. Bei meinem Austausch mit Sylvia Felder und Bürgermeister Huber konnte ich für viele Anliegen der Apothekerschaft sensibilisieren. Natürlich wird das große Rad der Gesundheitspolitik vor allem in Berlin und auf Bundesebene gedreht. Hier sind unsere Standesvertreter auch unermüdlich im Einsatz. Genauso wichtig ist es aber, dass wir den Kommunalpolitikern und Landtagsabgeordneten erklären, was Apotheken leisten und wo uns der Schuh drückt.“

Zambo stellte fest, wie interessiert die beiden Gäste an den vielfältigen Leistungen der Apothekerschaft waren. Im Gespräch war ein zentrales Thema, aufzuzeigen, welche Auswirkungen ein ungebremster Versandhandel mit Arzneimitteln auf kleinere vollversorgende Apotheken hätte. Zambo erläuterte auch das System von Rezeptsammelstellen und dem zukunftsweisenden LAV-Modell einer Digitalen Rezeptsammelstelle. Zwei Stunden lang konnte auch sehr praxisnah erläutert werden, wie grundlegend wichtig die ärztlichen Verordnungen für alle Apotheken sind, da sie rund 80 Prozent des Gesamtumsatzes darstellen. „Das war den beiden Politikern so gar nicht klar. Ich konnte auch zeigen, dass wir für eine schnelle Versorgung den Versandhandel nicht brauchen. Mit Vorbestell-Apps und dem persönlichen Lieferservice für eingeschränkte Patienten sind wir um ein Vielfaches schneller als jedes Päckchen.“ Auch die hochkomplexe und anspruchsvolle Herstellung von Rezepturen war für die Abgeordnete und den Bürgermeister ein erhellendes Highlight.