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Hintergrund: Zahlen und Fakten zu Rabattverträgen

Jährlich weniger Ausgaben in Höhe von mehr als eine Milliarde Euro: Die von den Kassen mit den Herstellern geschlossenen Rabattverträge machen's möglich. Illustration: © P. Kirchhoff/www.pixelio.de.
Jährlich weniger Ausgaben in Höhe von mehr als eine Milliar- de Euro: Die von den Kassen mit den Herstellern geschlosse- nen Rabattverträge machen's möglich. Illustration: © P. Kirch- hoff/www.pixelio.de.

Fast alle der 169 Krankenkassen ha- ben 9.339 Rabattverträge mit 141 Pharmaunternehmen geschlossen. Zum 1. April 2010 traten neue Rabatt- verträge der AOK, der Techniker Krankenkasse und des BKK-Dienst- leisters GWQ Service Plus für insge- samt 35 Millionen Versicherte von 38 Krankenkassen in Kraft.

Die AOK (24 Millionen Versicherte) hatte zuvor deutschlandweit in fünf Gebietslo- sen für 80 Wirkstoffen Zuschläge an 26 pharmazeutische Hersteller erteilt. Die meisten Fachlose hatte eine Bieterge- meinschaft um Ratiopharm gewinnen können (173 von 400 Losen). Die Hexal- Tochter 1A Pharma gewann 90 Fachlo- se, gemeinsam mit Sandoz weitere 26. Insgesamt hat die AOK nun 143 Wirk- stoffe rabattiert. Damit unterliegen zwei von drei Generika-Verordnungen für AOK- Versicherte den Rabattverträgen. Zur Zeit bereitet die AOK die Ausschreibung für 13 weitere, kürzlich patentfrei gewordene Wirkstoffe vor. Diese Verträge sollen dann zum 1. Oktober in Kraft treten und zwei Jahre gelten.

Techniker Krankenkasse startet neu mit Rabattverträgen
Bei der Techniker Krankenkasse (7 Millionen Versicherte) lösten die Rabattverträge die bisheri- gen sogenannten Portfolio-Verträge ab. Diese im Januar 2010 erste Ausschreibung von Rabatt- verträgen bei der Techniker Krankenkasse umfasste insgesamt 89 Wirkstoffe. Den Zuschlag für jeweils 20 Wirkstoffe erhielten 1A Pharma Sandoz und Sanofi zusammen mit seiner Tochter Winthrop.

Der BKK-Dienstleister, die Service GWQ Service Plus AG, hatte im Auftrag von 36 Kranken- kassen 48 Fachlose für 44 Wirkstoffe ausgeschrieben. 17 davon gewann 1A Pharma Sandoz.

Zweite DAK-Rabattvertragsausschreibung läuft
Die DAK schreibt zum zweiten Mal aus: Nach den ersten 18 Wirkstoffen sind nun 95 weitere ausgeschrieben. 92 Zuschläge mit einem Marktvolumen von etwa 651 Millionen Euro hat die Krankenkasse bis Mitte Februar 2010 erteilt.

Derzeit überlegen auch BARMER GEK, KKH-Allianz sowie das von 80 Kassen mit sieben Mill- ionen Versicherten getragenene BKK-Gemeinschaftsunternehmen spectrum K Wirkstoffe aus- zuschreiben. Während KKH-Allianz 50 weitere Wirkstoffe ausschreiben will, plant spectrum K nun Rabattverträge für 134 nach zunächst 78 Wirkstoffen. spectrum K hatte bereits am 1. März 2010 Verträge für 52 Wirkstoffe in Kraft gesetzt.

AOK hatte noch bis zur dritten Ausschreibung Rechtsprozessen zu kämpfen
Der erste Ausschreibung ist für viele Krankenkas- sen ein Kaltstart: So waren bei der AOK und zuletzt bei spectrum K nicht alle Rabattarzneimittel lieferfähig. Die AOK hatte noch bis zur drit- ten Ausschreibung mit erheblichen Klagen und Gerichtsprozessen zu kämpfen.

Lesen Sie hier, welche Mehrkosten die Rabattverträge auf Seiten der Apotheken verursachen und damit den Wenigerausgaben der Krankenkassen gegenüberstehen:

  • Nach Medienberichten erhalten einzelne Kassen Rabatte mit hohen zweistelligen Pro- zentsätzen von Generikaherstellern.
  • Nach Schätzungen des DAV sparen die Krankenkassen über die Rabattverträge jährlich deutlich mehr als eine Milliarde Euro ein.
  • Das Bundesgesundheitsministerium hatte für die zweite Jahreshälfte 2008 bereits ein Einsparvolumen von 310 Millionen Euro ausgewiesen. Für 2009 und die kommenden Jahre ist von weitaus höheren Einsparungen auszugehen, da inzwischen viele juristi- sche Unsicherheiten bei den Ausschreibungen beseitigt sind und die Krankenkassen deshalb immer mehr Verträge abschließen.
  • Das Umsatzvolumen der ausgeschriebenen Arzneimittel für die Jahre 2009 und 2010 wird von der AOK mit 2,3 Milliarden Euro beziffert. Das Einsparpotential bezifferte sie hierfür jährlich auf 500 Millionen Euro. Im März 2010 zitiert ein Fachmedium den Vize-Vorsitzenden der AOK Baden-Württemberg, Christopher Hermann, dass die von den AOK'en mit Hilfe der Rabattverträge eingesparte Summe annähernd 400 Millionen Euro beträgt.
  • Bis zum Jahresende 2010 will die AOK eine Milliarde Euro eingespart haben, auf Ba- den-Württemberg sollen davon 100 Millionen Euro Einsparungen entfallen. Insgesamt will die AOK 2010 520 Millionen Euro über Rabattverträge einsparen.
  • Die AOK-Ausschreibung von 2010 bis 2012 hat ein Marktpotenzial von 1,4 Milliarden Euro und soll Einsparungen von jährlich 300 Millionen Euro bringen. Im März 2010 korri- giert der Dr. Hermann diese Summe auf jährlich mehr als eine halbe Milliarde Euro.
  • Die Techniker Krankenkasse erhofft sich von seinen ersten Rabattverträgen Einsparung- en in zweistelliger Millionenhöhe.
  • Die für Betriebskrankenkassen tätige Gesellschaft GWQ spricht von GKV-weiten Ein- sparungen mit Rabattverträgen in Höhe von "einigen Milliarden".
  • Das BKK-Gemeinschaftsunternehmen spectrum K gab kürzlich bekannt, dass eine ers- te erfolgreiche Rabattvertragsausschreibung jährliche Einsparungen von 5,20 Euro für jeden der 7,3 Millionen Versicherten erbringen werde. Dies wären rund 38 Millionen Eu- ro.
  • Die Rabattverträge aller Kassen belasten die Apotheken nach Angaben des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) mit 650 Millionen Euro pro Jahr. Heruntergebrochen auf 21.500 Apotheken verursachen die Rabattverträge damit in jeder Apotheke Zusatzkos- ten von 30.000 Euro. Dabei ist in dieser Summe die zusätzliche finanzielle Belastung wie Aufrüstung der EDV noch gar nicht inbegriffen.
  • Rabattarzneimittel können zur Hälfte (50 Prozent) oder komplett (100 Prozent) von der gesetzlichen Zuzahlung befreit werden. Dies gilt jedoch nur für die betroffenen Versich- erten der jeweiligen Krankenkasse. Die Krankenkasse muss also die Zuzahlungsermä- ßigung oder -befreiung ausdrücklich aussprechen.
  • Der Deutsche Apothekerverband und der Landesapothekerverband Baden-Württemberg e. V. haben zur Kommunikationshilfe in den Apotheken gemeinsam mit der AOK Hand- zettel herausgegeben. Die Handzettel des LAV wurden in einer Auflage von 250.000 Stück gedruckt, sie sind im Internet auf www.apotheker.de in allen gängigen Fremd- sprachen erhältlich. Die AOK stellt den Apotheken in Baden-Württemberg zusätzlich Scheckkarten in einer Auflage von 100.000 Stück zur Verfügung.
  • Der Trend zu Rabattverträgen bei Krankenkassen ist ungebrochen: Ende 2009 fielen knapp über 30.600 Arzneimittel unter die Regelungen einer der Rabattverträge.
  • Die Apotheken gaben im Dezember 2009 28.242.998 Rabattarzneimittel ab. Das sind knapp die Hälfte aller zu Lasten der GKV abgegebenen Medikamente. Anders gesagt: Jedes zweite in einer Apotheke zu Lasten der GKV abgegebene Arzneimittel ist ein Rabattarzneimittel.

Zusammenstellung:
Landesapothekerverband Baden-Württemberg e. V., Stand April 2010.

Quellen:
Deutscher Apothekerverband (DAV) e. V. 
APOTHEKE ADHOC
AOK Baden-Württemberg
AOK-Bundesverband
DAK
IMS Health
ProGenerika
Welt am Sonntag, 7. März 2010, S. 34.

Downloads zur weiteren Verwendung:
AOK gefährdet in Baden-Württemberg Umsetzung der Rabattverträge
PDF-Datei

Apotheker gegen Überregulierung bei Abgabe von Arzneimitteln
PDF-Datei

Wortlaut der AOK-Ausschreibung für Rabattverträge 2010-2012
Veröffentlichung am 22.08.2009 im Amtsblatt der Europäischen Union

Liste der 87 ausgeschriebenen Wirkstoffe
Anhang zu den AOK-Rabattverträgen 2010-2012

Apotheker gegen Überregulierung bei Abgabe von Arzneimitteln
PDF-Datei

Links zur weiteren Information:
AOK hat zum vierten Mal Rabattverträge ausgeschrieben - Apotheker fordern finanzielle Transparenz
LAV-THEMENMAPPE Rabattverträge

Rabattverträge fordern Patienten
Stichwort Arzneiumstellung in der Themenmappe Rabattverträge

Rabattarzneimittel mit Millionen Datensätzen
Stichwort Aufwand in der Themenmappe Rabattverträge

AOK gefährdet Umsetzung der Rabattverträge
Stichwort Drohung in der Themenmappe Rabattverträge

Apotheker gegen Überregulierung
Stichwort Entbürokratisierung in der Themenmappe Rabattverträge

Kassen sparen mehr als eine Milliarde
Stichwort "Erfolgsstory" in der Themenmappe Rabattverträge

Fast 70 Firmen wollen AOK Rabattverträge
Stichwort Hersteller in der Themenmappe Rabattverträge

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Rabattverträge reduzieren Arzneimittelausgaben
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Kassen starten mit 25.000 Rabattarzneimitteln
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Neue Rabattverträge ab 1. April in Kraft - Experteninterview mit der Bundesvereini- gung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) - Das Tonmaterial darf honorarfrei ver- wendet werden!

Zu den ab dem 1. April in Kraft tretenden neue Rabattverträge zwischen verschiedenen Kassen und Medikamentenherstellern erläutert der Pressesprecher des Deutschen Apothkerverbandes, Thomas Bellartz, was sich für die Versicherten bedeutet und auf welche Änderungen sie sich einstellen müssen:





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